Baubeginn: Unser neues Smart Production Lab

Baubeginn: Unser neues Smart Production Lab

Natanja C. Pascottini,

Am 8. August 2017 findet der Spatenstich für unser neues Smart Production Lab an der FH JOANNEUM Kapfenberg statt. Was wir mit diesem neuen Labor vorhaben erläutert Martin Tschandl, Leiter des Instituts Industrial Management – Industriewirtschaft.

Wie wird das neue Smart Production Lab aussehen?

Martin Tschandl: Optisch haben die Architekten aus dem Vollen geschöpft. Das Smart Production Lab am Campus der FH JOANNEUM in Kapfenberg wird nicht nur innen, sondern auch außen ein „Hingucker“ sein. Mitarbeiter des Instituts und Studierende haben hierzu wirklich gute Vorarbeit geleistet. Sie wollten einen „Wow-Effekt“ generieren. Wir haben eigens dafür zwei Wettbewerbe ausgeschrieben, um möglichst viele Ideen zu sammeln. Mögliche Designs wurden dann mit den Architekten und der Stadtgemeinde Kapfenberg in einigen Sessions besprochen. Das Ergebnis wird sich sehen lassen: die Fassade ist in Anthrazit, mit verteilten weißen Streifen, gestaltet. Eine Idee, die die Stadtgemeinde sehr stark eingebracht hat. Der Hintergrund ist, dass wir damit den Bezug zum „Barcode“, zweifelsohne eine Basis-Technologie für die digitale Produktion, schaffen möchten. Barcodes sind, auch wenn es bereits modernere Identifikationssysteme gibt, auch eine Technologie, mit der alle Menschen in irgendeiner Weise zu tun haben. Das ist auch der Gedanke hinter dem Smart Production Lab: Technologien für Unternehmen und Interessierte zugänglich zu machen beziehungsweise Barrieren zur Digitalisierung abzubauen. Ein nettes Detail am Rande: Der Schriftzug auf der Fabrikhalle wird in der Nacht rot und die weißen Streifen, die zusätzlich mit LEDs ausgestattet sind, weiß leuchten. Wie gesagt: Ein „Hingucker“ eben.

Innen ist das Smart Production Lab stark themengetrieben gestaltet. In der Halle wird es dafür unterschiedliche miteinander vernetzte Bereiche geben. Der gesamte Bereich „Smart Production“ ist zum Beispiel nach der industriellen Wertschöpfung – von der CAD-Zeichnung im Bereich „Engineering“ bis zur Auslieferung der Produkte und damit verknüpften Services in den Bereichen Vertrieb, Logistik und After Sales – aufgebaut. Die Produktion haben wir dabei so geplant, dass wir höchst flexibel bleiben können. Durch ein Energieschachtsystem ist es uns möglich jede Maschine überall in der Produktion anzuschließen und zu betreiben, Plug & Play sozusagen.

Was bedeutet „Smart Production“?

Martin Tschandl: Grundsätzlich wird als Smart Production in Europa, USA und China die digitale Vernetzung der Produktion zu einem intelligenten Fertigungssystem bezeichnet. Wir sehen in der Digitalisierung eine Chance für die exportorientierte heimische Industrie und ihre gewerblichen Zulieferer, als Hochpreisregion im globalen Wettbewerb auch zukünftig zu bestehen: Smart Production kann, erstens, zu geringeren Kosten, zweitens, zu individualisierten Produkten bei gleicher Effizienz wie in Großserienproduktionen, und drittens, zu neuen Geschäftsmodellen und so neuen Umsätzen beziehungsweise höheren Margen führen. Aus diesem Grund betreiben wir am Institut Industrial Management - Industriewirtschaft auch ganz stark das Thema Service Engineering. Wir sind überzeugt, dass unsere Produkte, mit neuen Services zu sogenannten hybriden Leistungsbündeln kombiniert, durch das Internet der Dinge die Zukunft darstellen. Neben Forschung sozusagen ein zweites Standbein, um als Hochpreisland gegen billigere Konkurrenz wettbewerbsfähig zu bleiben.

Inwieweit werden Studierende das Labor nutzen?

Martin Tschandl: Das Smart Production Lab ist derzeit Österreichs größte Industrie 4.0-Lehr- und Forschungsfabrik mit integriertem, öffentlich zugänglichen FabLab. Also werden wir das Lab, erstens, massiv in die Lehre integrieren: Technik und IT „zum Angreifen“ war immer schon unsere Stärke an der FH JOANNEUM. Und diese Stärke wollen wir mit der neuen Infrastruktur am Campus Kapfenberg weiter forcieren. Zweitens sind alle Studierenden eingeladen, den öffentlich zugänglichen Bereich des Smart Production Labs – das Smart FabLab nach Vorbild des MIT in den USA – während den Öffnungszeiten zu nutzen. Wir möchten dadurch das „Maker“-Bewusstsein unserer Studierenden stärken und es ihnen möglich machen eigene Prototypen zu entwickeln und zu realisieren. Nicht nur lernen, sondern auch machen, ist die Devise. Vielleicht ergibt sich dadurch ja die eine oder andere fruchtbare Geschäftsidee für unseren Industriestandort. Darüber hinaus werden wir auch einige Innovationsprojekte gemeinsam mit unseren Studierenden im Smart Production Lab durchführen.

Welche Projekte sind für das Labor geplant?

Martin Tschandl: Aktuell arbeiten wir mit Hochdruck nicht nur am Aufbau unserer Lehr- und Forschungsfabrik, sondern auch an Projekten für praxisorientierte Forschung und weiteren Kooperationen. Ein paar Beispiele: Gemeinsam mit NTS und CISCO erforschen wir das Thema „Internet of Things Ecosystems“, mit Factory Miner arbeiten wir an Cloud-Lösungen für Produktionscontrolling beziehungsweise -reporting in Echtzeit. Auch voestalpine-Vorstand Franz Rotter und Infineon-Vorstandsvorsitzende Sabine Herlitschka – beide hielten übrigens hervorragend besuchte Vorträgen im Kapfenberger Audimax im Frühjahrssemester – haben Ihre Kooperationsbereitschaft bekundet. Darüber hinaus haben wir schon erste Use Cases für die geplanten Teststände definiert, die wir für den Betrieb des Smart Production Labs entwickeln. Angewandte Forschungsprojekte zur vertikalen und horizontalen IT-Integration oder in den Bereichen Lean Manufacturing und Service Engineering stehen hier in den Startlöchern. Außerdem liegen ganz konkrete Pläne für Ausbildungskooperationen am Tisch.

Was ist Ihre persönliche Vision für das Smart Production Lab?

Martin Tschandl: Das Smart Production Lab ist in meiner Vision eine Drehscheibe oder Plattform für Industrie 4.0-Themen von Wirtschaft, Wissenschaft und Lehre in Österreich und speziell in der Hochsteiermark. Wir erarbeiten die Lösungen der Unternehmen transdisziplinär, also über die thematischen Grenzen der Disziplinen hinweg und unter Einbindung der Betroffenen und der Studierenden. Das können wir, wie circa 350 solcher Industrieprojekte in den letzten 15 Jahren zeigen. Und das werden wir weiter verstärken, wobei wir die Ergebnisse aus der angewandten Forschung und den Entwicklungsprojekten vor allem auch dem Mittelstand nutzbar machen. Ziel ist die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unseres Industriestandorts Österreichs.

Dazu ist uns eine vielfältige, intensive Nutzung wichtig: Das Smart Production Lab wird ein moderner, offener Platz für Kreativität und Innovation mit dem Schwerpunkt auf digitale Produktion. Es soll für die Unternehmen eine Kompetenz-Plattform zur Diskussion und Erprobung neuer Technologien und Standards sein.

Das Smart Production Lab wird nachts beleuchtet.
Das Smart Production Lab wird nachts beleuchtet.