Automatisch gespeicherter Entwurf 9

SmartWorkCamp: ein Open Space zur Zukunft der Arbeit an der FH JOANNEUM

Heinz Wittenbrink,

Am Donnerstag und Freitag bietet das SmartWorkCamp bei uns an der FH JOANNEUM in Graz Gelegenheit, sich bei Fachleuten über die Zukunft der Arbeitswelt zu informieren und sich konkrete Projekte zu überlegen, um diese Zukunft mitzugestalten.

Peter Webhofer hat mich zum SmartWorkCamp eingeladen und ich freue mich auf eine spannende Veranstaltung. Ich kann etwas über ein Thema lernen, welches mir zwar immer wieder begegnet ist, das bisher aber für mich ungreifbar war: wie wir in einer digitalen und vernetzten Welt arbeiten und vor allem zusammenarbeiten. Diese Frage ist indirekt Gegenstand meines Jobs, in dem ich mich mit digitalen Inhalten und ihre Produktion beschäftige. Sie betrifft aber auch die Art und Weise, wie ich arbeite.

An einem neuen Studiengang für Berufstätige stoßen wir immer wieder an die organisatorischen, rechtlichen und besonders an die mentalen Grenzen der alten – eigentlich kann man nur sagen – veralteten Arbeitswelt. Dass ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen, Gewerkschaften sowie Personalistinnen und Personalisten in der Angst vor Funktionslosigkeit mit Zähnen und Klauen an diesen Regelungen festhalten, ist ein Seitenthema, das an den beiden Tagen hoffentlich auch behandelt wird.

Was erwarte ich?

Crash Kurs zur neuen Arbeitswelt

Die Innovationen und Veränderungen, mit denen ich mich als Lehrender für digitale Inhaltsstrategien beschäftige, sind nur ein kleiner Teil von viel tiefer greifenden Veränderungen. Was wir in den Medien beobachten, ist vielleicht nur der Beginn eines Übergangs zur Social Production, bei der Netzwerke unterschiedliche Beteiligte je nach Aufgabe intelligent und flexibel verknüpfen. Über diese Transformationen weiß ich wenig. Zu dem Camp sind ein paar Leute eingeladen, die zu diesem Thema viel zu sagen haben und auch schon viel gesagt haben, etwa Wolf Lotter und Andreas Zeuch. Von ihnen erwarte ich mir eine Art Schnellkurs. Ich hoffe, dass ich am Ende über die wichtigsten Elemente der Diskussion über die Zukunft der Arbeit informiert bin, und dass ich weiß, mit welchen Themen auf diesem Gebiet ich mich tiefer beschäftigen sollte. Die Fragen der Digitalisierung, mit denen sich einer der Think Tanks auf dem Camp beschäftigen wird, stehen für mich zwar aufgrund meines Jobs im Vordergrund, aber ich weiß, dass man sich mit Digitalisierung nicht losgelöst von ihren gesellschaftlichen Zusammenhängen auseinandersetzen kann.

Change Management und digitale Strategie

Es gibt Aspekte der Veränderungen in der Arbeitswelt, die direkt mit den Inhalten zu tun haben, mit denen ich mich in der Lehre beschäftige. Für mich laufen sie alle im Thema der Digital Governance zusammen – der Steuerung von Unternehmen in einer digitalen Umwelt oder auf dem Weg in eine digitale Welt. In der Content Strategy ist diese Thematik in den letzten Jahren in den Vordergrund getreten und es gibt wichtige Literatur dazu. Trotzdem ist mir unklar, wie wir unsere Studierenden am besten auf ihre Rolle als Transformatorinnen und Transformatoren in Unternehmen vorbereiten können. Wichtig ist, dass sie diese Rolle spielen können, denn Unternehmen können nicht wirksam im Netz kommunizieren, wenn sie ihre eigenen Prozesse nicht an die Welt des Netzes angepasst haben. Vom Camp erwarte ich mir Ideen dafür, welche Inhalte wir hier in den kommenden Jahren lehren sollen und auch, wie wir sie am besten vermitteln. Ich hoffe vor allem, dass viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer über eigene Erfahrungen auf diesem Gebiet berichten können.

Ideen dafür, wie wir die Hochschule verändern können

Ein dritter Grund dafür, dass ich das Camp gerne besuche, ist, dass meine Kolleginnen, Kollegen und ich nach Möglichkeiten suchen, unsere eigene Arbeitswelt an der Fachhochschule zu verändern. In den letzten 20 Jahren haben sich Wissen und Wissenschaft radikal verändert, weil Wissen heute viel weniger an Orte und Zeiten gebunden ist, als es je in der Geschichte war. Hochschulen sind aber in vielen Bereichen noch Modellen des Wissensaustauschs und Lernens verpflichtet, bei denen Wissen an bestimmten Orten verfügbar war, zu denen man sich bewegen musste, um entweder mit Menschen zu kommunizieren, die Wissen vermitteln können oder aber Bücher und andere Texte zu lesen. Diese Welt ist inzwischen untergegangen so wie die Welt der mittelalterlichen Bibliotheken in der frühen Neuzeit untergegangen ist.

An dem Studiengang, an dem ich arbeite, drückt sich das dadurch aus, dass Lehrende und Studierende zwar noch punktuell am selben Ort zusammenkommen, dass wir aber größtenteils online kommunizieren und dass wir auch als Lehr- und Verwaltungsteam immer mehr im Netz zusammenarbeiten. Die Organisationsformen, an die wir gebunden sind, haben diesen Prozess aber nicht mitgemacht: Das beginnt mit den Typen der Lehrveranstaltungen, die im österreichischen Fachhochschulsystem vorgesehen sind, und das endet mit der Regelung von Arbeitszeiten, die immer noch Arbeit und Anwesenheit an einem Ort miteinander verbinden. Wie kommen wir konkret an unserer Hochschule zu Modellen, bei denen wir von den Möglichkeiten der Wissensvermittlung im Netz am besten profitieren? Am SmartWorkCamp werden viele Kolleginnen und Kollegen der FH JOANNEUM teilnehmen. Ich hoffe, dass wir unsere Erfahrungen im Lehrbetrieb auf dem Weg in eine vernetzte Zukunft austauschen können, und vor allem, dass wir konkrete Ideen für die Veränderung an der Fachhochschule entwickeln werden.