Wie verändern sich Journalismus und Medien?
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Wie verändern sich Journalismus und Medien?

Eva-Maria Kienzl,

Social Media, individuelle Kommunikation, klassische Massenmedien oder professioneller Journalismus – unsere Kommunikation wandelt sich. Das Institut Journalismus und Public Relations und der Steirische Presseclub luden zu einem Medientalk am 21. November 2016. Gemeinsam mit führenden Journalisten Österreichs wurden die maßgeblichsten Veränderungen diskutiert.

Vertrauenskrise in die Medien, zunehmende Medienverdrossenheit, der Journalismus hat versagt, Siegeszug von Social Media – mit diesen Stichworten und Schlagzeilen aus den vergangenen Wochen eröffnete Heinz M. Fischer, Leiter des Departments für Medien & Design, die Veranstaltung. Seine erste Conclusio: Positive Berichterstattung über die Medien findet kaum statt. Sind die klassischen Massenmedien wirklich in einer Krise?

Auch in 20 Jahren Zeitung lesen
„Ich habe keine Weltuntergangsgefühle“, so Thomas Götz, stellvertretender Chefredakteur der Kleinen Zeitung. Die beliebteste Zeitung in der Steiermark führte in diesem Monat ein Online-Abo ein, bei dem für die Inhalte bezahlt werden muss – konträr zur Gratiskultur im Internet. Die ersten Erkenntnisse: Es sind mehr Leute bereit für die Inhalte zu bezahlen als vorab von den Expertinnen und Experten vermutet. Auch das Printprodukt wurde erst vor Kurzem einem Redesign unterzogen. „Wir sind überzeugt davon, dass es die Kleine Zeitung auch in den nächsten 20 Jahren gedruckt geben wird. Für den zukünftigen Erfolg kommt es darauf an, dass sich das Printprodukt so weit vom Online-Angebot unterscheidet, dass die Leute an beidem interessiert bleiben.“

Herausforderungen von morgen
Ähnlich optimistisch ist auch Klaus Herrmann, der Chefredakteur der Kronen Zeitung – obwohl die Leserzahlen bei den Teenagern klar zurückgehen. Es gibt nämlich auch positive Aspekte: „Wenn die 20- bis 30-Jährigen sesshaft werden und eine Familie gründen, abonnieren viele wieder eine Tageszeitung.“ Trotzdem stehen die Massemedien auch in Zukunft vor einigen Herausforderungen. Zunehmende Trennlinien in der Gesellschaft sind eine. Die Folge: Die EINE Gesellschaft gibt es nicht mehr. Ein Beispiel, bei dem sich die Trennung zeigt, sind die Präsidentschaftswahlen in Österreich und in den USA. „Damit muss man als Medium, das die breite Masse anspricht, einen Umgang finden. Die zentrale Aufgabe der Medien dabei: Die LeserInnen informieren und niemanden ausschließen.“

ORF online
Der ORF spielt auf mehreren Kanälen: Neben Radio und Fernsehen ist auch das Internet ein Medium des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. „Es kann dabei nicht das Modell der Zukunft sein, die journalistischen Inhalte eins zu eins im Internet oder in sozialen Medien zu teilen“, erläutert Gerhard Koch, der Chefredakteur des ORF Landesstudios Steiermark. Ein Versuch des ORF dazu: die ZIB100, die gut ankommt. Ein weiterer Rat: „Die Medien neigen dazu, die eigene Situation permanent schlechtzureden. Das sollte abgestellt werden.“ Auch faktenbasierter Journalismus wird in Zukunft entscheidend sein: „Ein Gramm Wissen wirkt mehr als eine Tonne Meinung“, ermutigt Gerhard Koch die anwesenden Studierenden von „Journalismus und Public Relations (PR)“ bei der Veranstaltung.