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Tandem Programm

Sprach-, Erfahrungs- und Kulturaustausch unter Studierenden

 
Outgoing Studierende 2

Das Tandemprogramm an der FH JOANNEUM hat seit seiner Initiierung im Oktober 2006 großes Interesse bei den Studierenden geweckt. Ziel der Tandem-Partnerschaften ist der Sprach-, Erfahrungs- und Kulturaustausch zwischen Austauschstudierenden und den Studierenden an der Hochschule.

Sprache als Kulturträger

Sprachlehrende möchten im Sprachunterricht so gut wie möglich auch ihre Rolle als KulturvermittlerInnen wahrnehmen. Trotz zahlreicher Möglichkeiten bei der Wahl von Methoden und Materialien in diesem Bereich stoßen sie jedoch spätestens dann an ihre Grenzen, wenn die Wände des Seminarraums selbst zur „Kulturbarriere“ werden. Den Unterricht stets hinauszutragen, dorthin, wo sich „die Sprache und das Leben“ abspielt, ist nicht immer möglich – nicht zuletzt aus Zeitgründen. Wie also können vor allem LernerInnen, die sich im Rahmen eines Studienaufenthalts nur für kurze Zeit im deutschsprachigen Raum aufhalten, die Sprach- und Kulturrealität vermittelt bekommen?

Miteinander statt Nebeneinander

Im Oktober 2006 initiierte die Abteilung für Internationale Beziehungen an der FH JOANNEUM das Tandemprogramm im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“. Ziel des Projekts war und ist es, internationale Studierende mit österreichischen zusammenzubringen, denn die Erfahrungen hatten bereits gezeigt, dass ein physisches Nebeneinander in den wenigsten Fällen auch ein interkulturelles Miteinander bedeutet. Viele österreichische Studierende an der FH JOANNEUM wussten zwar um die Präsenz von Austauschstudierenden an ihrer Hochschule, die wenigsten machten jedoch den ersten Schritt einer (kulturellen) Annäherung. Den Studienalltag zu bewältigen ist oft schon zeitliche Herausforderung genug. Das Tandemprogramm sollte dies ändern.

Internationalisierung zu Hause

Zugute kommt das Tandemprogramm vor allem auch Studierenden ohne Auslandserfahrung. Sie haben nämlich die Möglichkeit, sich vor Ort mit unterschiedlichsten Kulturen und Sprachen auseinanderzusetzen. Diese „Internationalisierung zu Hause“ schafft das Bewusstsein, dass interkulturelle Kompetenz auch in vertrauter Umgebung eine wichtige Rolle spielt und die gesammelten Erfahrungen für Herausforderungen im künftigen Berufsleben nützlich sein können.

Aktivitäten im Tandem

Seit Beginn des Projekts haben über 1000 Studierende – das heißt über 500 Paare – am Tandem-Programm teilgenommen. Was die Tandempaare gemeinsam unternehmen, bleibt im Prinzip ihnen überlassen. Die meisten streben allerdings ein Sprachtandem an. Nicht zuletzt auf Grund der Freiwilligkeit ist die Motivation sehr hoch, sich regelmäßig zu treffen und auszutauschen. Dabei entstehen nicht selten Freundschaften, die auch über die Tandem-Zeit hinaus erhalten bleiben. Am Ende des Semesters bitten wir die TeilnehmerInnen uns ein Foto und einen kurzen Bericht zu schicken. Daraus gestalten wir unser Tandemposter, das jeweils ein Paar präsentiert und Einblicke in den Verlauf und die Aktivitäten des Tandems bietet. Neben dem erwähnten Sprachaustausch nennen die meisten Tandempaare an zweiter Stelle das kulturelle Interesse, dann folgen oft gemeinsame Unternehmungen, nicht selten sogar Einladungen in die Familie des / der österreichischen Partners / Partnerin (z. B. ins Wochenendhaus, zum Schifahren, zum Abendessen etc.). Vom Sommersemester 2009 bis 2012 organisierte die Abteilung Internationale Beziehungen auch einen interkulturellen Kochworkshop beim Verein OMEGA in Graz. Ziel dieses interkulturellen Programms außerhalb der Hochschule war neben kulinarischen Genüssen vor allem auch die Bewusstmachung für die multikulturelle Vielfalt der Landeshauptstadt Graz und die Förderung von Initiativen. Seit 2013 finden Kochabende mit Tandem-TeilnehmerInnen an der FH JOANNEUM in Graz und Kapfenberg statt. 2015 erschien auch das erste Tandem Cookbook, das von der Österreichischen Nationalagentur Lebenslanges Lernen - ERASMUS+ zum besten "Best practice Projekt im Hochschulbereich" nominiert wurde.

Hier findet ihr einige Tipps für ein erfolgreiches Tandem-Lernen:

  • Trefft euch das erste Mal am besten an einem neutralen Ort.
  • Ihr sollt euch mindestens einmal pro Woche für 2 Stunden treffen (je 1 Stunde pro Sprache bzw. Aktivität). Ihr solltet daher eure Termine beim ersten Treffen bereits für das Semester vorausplanen.
  • Überlegt euch am Ende jeden Treffens, was ihr bei eurem nächsten Treffen machen möchtet. Wenn ihr "nur" sprechen möchtet, überlegt euch im Vorfeld ein Thema oder einen Sprechanlass (Texte).
  • So globalisiert unsere Welt und so offen euer / eure TandempartnerIn auch scheinen mag; man darf trotzalledem die unterschiedlichen Kulturen und daraus resultierende Verhaltensweisen nicht unterschätzen. In jedem Fall gilt: So "eigenartig" dir Verhaltensmuster, persönliche, religiöse oder politische Einstellungen auch erscheinen mögen, mach sie nie lächerlich, bewerte sie auch nicht und vermeide vor allem "Grundsatzdiskussionen". Das interkulturelle Kennenlernen beruht vor allem auf dem Prinzip des gegenseitigen Respekts und des sich aufbauenden Vertrauens.
  • Incoming-Studierende sind natürlich auch daran interessiert ihr Deutsch zu verbessern und mehr über Österreich zu erfahren. Es geht dabei weniger um Grammatikunterricht als um Kommunikation. Versucht daher so gut es geht "Standarddeutsch" zu sprechen, österreichsiches Deutsch kann natürlich für fortgeschrittene Lernende interessant sein, ihr solltet es jedoch sachte angehen :). Viel Erfolg!
  • Nehmt euren / eure TandempartnerIn in ein Konzert mit oder geht einmal gemeinsam mit euren Freunden essen. Der "österreichische" Alltag oder eine "typisch österreichische" Freizeitaktivität ist für Incoming-Studierende besonders interessant, weil es schwierig ist ohne Kontakte darin einzutauchen. Bevor ihr solche Aktivitäten unternehmt, stellt im Gespräch sicher, dass es eureN TandempartnerIn auch gefallen würde und zwingt sie / ihn zu nichts!