Apraxie-Vortrag an der FH JOANNEUM

 

Am 16. November 2016 luden die Institute Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie zu einer interdisziplinären Vortragsreihe „Ergo, Physio, Logo“ an die FH JOANNEUM Graz. Georg Goldenberg, Professor der TU München, hielt einen Vortrag mit dem Titel „Kommunikation und Manipulation – Dualität der Handfunktion und Dualität der Apraxie“.

Was ist Apraxie? Das Krankheitsbild ist vielseitig. Allgemein handelt es sich um die Störung der Ausführung bestimmter Bewegungen – etwa beim Gebrauch von Werkzeugen wie einem Hammer. Die motorische Funktion an sich ist dabei intakt, da ähnliche Bewegungen koordiniert ausgeführt werden können. Bei Apraxie gibt es drei zentrale Teilaspekte: die Verwendung symbolischer Gesten wie etwa bei Pantomime, den Gebrauch von Objekten und das Imitieren von Gesten anderer Personen. Die Störungen dieser Teilaspekte können unabhängig voneinander auftreten.

„Patientinnen und Patienten machen Fehler, wenn sie am eigenen oder an anderen Körpern Körperteile lokalisieren sollen. Das erschwert etwa das Imitieren von Körperstellungen“, erläuterte Georg Goldenberg in seinem Vortrag. Der Körper ist für Patientinnen und Patienten ein hoch komplexes mechanisches Gebilde. Georg Goldenberg war zwischen 1995 und 2015 Chefarzt der Klinik für Neuropsychologie in München.

Verschiedene Störungen
Hand-, Finger- und Fußstellungen – die Koordination von allen Körperteilen kann bei den Patientinnen und Patienten zu Problemen führen. Dabei kann es auch sein, dass Handstellungen der Therapeutinnen und Therapeuten einwandfrei imitiert werden können, aber Fingerstellungen nicht nachgemacht werden können. Die Störung der jeweiligen motorischen Fähigkeit hängt etwa mit der betroffenen Hirnhemisphäre zusammen.

Eine weitere Einschränkung bei Apraxie: Das Wissen über den richtigen Werkzeuggebrauch wird in der Kindheit erlernt. Das Werkzeug wird mit seinem Zweck – der Handlung, die damit ausgeübt wird – assoziiert. Wird das Werkzeug gesehen oder sprachlich erwähnt, wird das gespeicherte Wissen über das Objekt und die Handlung abgerufen. Anders bei Apraxie: Das motorische Verhalten mit dem Werkzeug kann von Patientinnen und Patienten nicht abgerufen werden – etwa bei der Imitation von Hammerschlägen auf einen Nagel oder beim Auspressen einer Zitrone.

Auch Pantomime – also die Darstellung von Szenen oder Gegenständen durch Mimik und Gestik – ist für Patientinnen und Patienten teilweise nicht verständlich. Ein Beispiel: Sie können nicht symbolisieren, wie man Geige spielt. Personen, die nicht an Apraxie leiden, können die spezifische Handhaltung zeigen – selbst wenn sie das Instrument nie gespielt haben.

Rund 120 Interessierte informierten sich bei der Veranstaltung der FH JOANNEUM zum Thema Apraxie. Georg Goldenberg erläuterte die verschiedenen motorischen Störungen, die bei Apraxie auftreten können. (© FH JOANNEUM)