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Therapie von Menschen mit Beeinträchtigung: Kommunikationstipps

Natanja C. Pascottini,

In ihrem Vortrag „Narrative Fähigkeiten in der mündlichen Kommunikation von Menschen mit geistiger Behinderung“ gewährte die Logopädin Kerstin Nonn Einblick in ihre Forschung und vermittelte einen Leitfaden für den Umgang mit geistig beeinträchtigten Menschen in Untersuchungsgesprächen. Hier die wichtigsten Tipps.

#1 Einen guten Rahmen schaffen

  • Planen Sie doppelt so viel Zeit für das Gespräch ein.
  • Schaffen Sie eine entspannte aber konzentrierte Atmosphäre.
  • Beziehen Sie die Begleitpersonen in die Kommunikation und den Ablauf der Untersuchungen mit ein.
  • Halten Sie sich an eine klare Gesprächsstruktur:

    • Begrüßung
    • Klärung des Anliegens und der Erwartungen der Patientin beziehungsweise des Patienten
    • Anamnese
    • Untersuchung
    • Therapie und Beratung
    • Evaluation und Verabschiedung

#2 Sprechen

  • Verwenden Sie klare, einfache Sprache.
  • Strukturieren Sie sprachliche Information:

    • Nennen Sie zuerst das Thema.
    • Geben Sie detailliertere Informationen, die an das Sprachniveau der Patientin beziehungsweise des Patienten angepasst sind.
    • Stellen Sie eine Einstiegsfrage nach dem Grund der Vorstellung und den aktuellen Beschwerden.
    • Beachten Sie bei der Formulierung, dass Menschen mit geistiger Beeinträchtigung Ihre Frage verstehen und sie auf ein für sie selbst bedeutsames Thema hin zentrieren können.
    • Erklären und demonstrieren Sie Untersuchungen konkret und kleinschrittig, bevor diese durchgeführt werden.
    • Beziehen Sie Hilfsmittel, wie beispielsweise Beratungsbögen in leichter Sprache, mit ein.

#3 Zuhören

  • Seien Sie einfühlsam und vermitteln Sie eine positive soziale Erfahrung durch:

    • Hörbare Rückmeldungen,
    • aufmerksames Zuhören,
    • Ausdruck von Freude und Beifall,
    • lobende Anerkennung,
    • lachen bei Pointen,
    • Betroffenheit und Trauer,
    • interessiertes Nachfragen,
    • non- und paraverbal geäußerte Zustimmung durch Mimik, Gestik, Blick- und Körperkontakt sowie Stimmmodulation.
  • Alle Reaktionen haben das Ziel, Anerkennung und Freude an der gemeinsamen Kommunikation zu vermitteln, sich also mitzufreuen.
  • Im Verlauf eines Gesprächs und ebenso zu Beginn weiterer Gespräche fassen Sie wichtige Inhalte zum aktuellen Stand zusammen und wiederholen diese, wie beispielsweise Grund der Vorstellung, Behandlungsstand, Wünsche und wichtige Anliegen der Patientin beziehungsweise des Patienten.
  • Stellen Sie direkte Fragen an die Patienten beziehungsweise den Patienten zu wichtigen Gesprächsinhalten, um sicher zu sein, dass die Informationen richtig verstanden wurden.
  • Nehmen Sie Gefühle der Patientin beziehungsweise des Patienten, die während des Gesprächs auftreten, wahr und benennen Sie diese in verständlicher Weise. Ebenso können Sie die Patientin beziehungsweise den Patienten zu Gefühlen befragen. Stimmen Sie das Zeitmaß für das Beachten von Gefühlen dabei angemessen ab: nicht zu viel und nicht zu wenig Zeit.
  • Fragen Sie die Patientin beziehungsweise den Patienten am Ende des Gesprächs nach dem Befinden und ihren beziehungsweise seinen Gedanken. Diese Frage ist unabhängig von fachspezifischen Inhalten des Gesprächs und fokussiert den Beziehungsaspekt.
  • Reflektieren Sie am Ende des Gesprächs, ob die Erwartungen der Patientin beziehungsweise des Patienten an das Gespräch erfüllt worden sind.

#4 Nonverbale Kommunikation

Der nonverbalen Kommunikation beider PartnerInnen kommt ein hoher Stellenwert für das Gelingen des Gesprächs zu. Jede Patientin und jeder Patient hat eine individuelle Ausdrucksweise und Körpersprache. Aus der Mimik und Körperhaltung einer Patientin beziehungsweise eines Patienten können Rückschlüsse über das emotionale Befinden gezogen werden. Wenn Sie in der Lage sind, die nonverbalen Signale der Patientin oder des Patienten zu entschlüsseln, können Sie mit ihr oder ihm in einen Dialog treten. Dieser Dialog entwickelt sich auf der Grundlage einer tragfähigen Beziehung.

Die Förderung einer tragfähigen Beziehung und die Wichtigkeit der Beziehungsgestaltung sind besonders für Patientinnen und Patienten mit geistiger Beeinträchtigung relevant, denn ihre Kommunikation vollzieht sich stärker multimodal und hebt besonders die nonverbalen Kommunikationsformen zur Übermittlung von Informationen, Einstellungen, Wünschen und Gefühlen hervor.
Folgende nonverbalen Signale können zur Unterstützung eines Gesprächs dienen:

  • Halten Sie direkten Blickkontakt. Achten Sie darauf, nicht zu starren.
  • Sitzen Sie der Patientin beziehungsweise dem Patienten direkt gegenüber, aber in angemessener Distanz.
  • Beachten Sie eine offene Körperhaltung, leicht nach vorne gebeugt.
  • Achten Sie auf einen freundlichen Gesichtsausdruck.
  • Setzen Sie Ihren gesamten Körper zur Kommunikation ein: Bewegung, Haltung, Augenbrauen und Augenlider sowie Arme und Beine.
  • Nehmen Sie Körperkontakt auf und setzen Sie besonders die Hände als sensibles und feinfühliges Körperteil ein.
  • Vermitteln Sie eine emotionale Anteilnahme über die Hände.
  • Reflektieren Sie sich bei Berührung gut selbst: Achten Sie darauf, welche Gefühle mit den Händen transportiert werden und fragen Sie nach, ob die Berührung akzeptiert wird.
  • Setzen Sie Hilfsmitten, wie beispielsweise Bildsymbole ein oder geben Sie der Patientin beziehungsweise dem Patienten die Möglichkeit, etwas aufzumalen oder aufzuschreiben.
Tipp:

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