FH JOANNEUM - Die Macht der Sinne - Einfluss der Sensorik auf Ernährungsverhalten und Körpergewicht - Korb mit Brot, Gemüse und Obst

Gesunde Ernährung im Alter

Elisabeth Pail & Wolfgang Gunzer,

Beim Altern verändert sich unser Körper: nicht nur äußerlich, sondern auch in seiner Zusammensetzung und der Funktion der Organe. Dadurch entstehen Herausforderungen – wie beispielsweise die tägliche Ernährung geschmackvoll aber ausgewogen beizubehalten. Wolfgang Gunzer und Elisabeth Pail vom Institut Diätologie geben acht Tipps zu mehr Genuss beim Essen im höheren Lebensalter.

Verminderung des täglichen Kalorienbedarfs: Durch eine Abnahme der Muskelmasse und durch verminderte Bewegung brauchen Seniorinnen und Senioren auch weniger Energie. Der Bedarf an Vitaminen, Eiweiß oder Kohlenhydraten verringert sich jedoch nicht.

Tipp:

Wenn nur noch kleine Portionen gegessen werden, sollte besonders auf die Eiweißzufuhr geachtet werden, um dem weiteren Abbau von Muskeln vorzubeugen. Die richtige Kombination von Lebensmitteln kann dabei helfen: zum Beispiel Kartoffeln & Ei, Getreide & Milch.

Abnahme des Durstempfindens führt bei älteren Menschen in Kombination mit wenig Bewegung und Darmträgheit sehr häufig zu Verstopfung. Daher ganz besonders auf ausreichend Flüssigkeit, Ballaststoffe und Bewegung an der frischen Luft achten.

Tipp:

Zu allen Mahlzeiten sollte zumindest ein Glas getrunken werden – entweder verdünnte Obstsäfte, Wasser oder auch appetitanregende Tees. Überprüfen kann man die Trinkmenge, indem man bereits in der Früh seine Trinkration bereitstellt.

Alkohol: Der Mensch verträgt mit zunehmendem Alter immer weniger Alkohol. Der Grund ist der geringere Wasseranteil des Körpers. Was bedeutet, dass der Alkohol sich auf weniger Körperflüssigkeit verteilen kann. Auch die Leber braucht länger für die Entgiftung.

Tipp:

Gegen ein Glas Bier oder Wein gelegentlich ist eigentlich nichts einzuwenden. Aber Achtung: Wechselwirkungen mit Medikamenten beachten. Fragen dazu unbedingt mit der Ärztin beziehungsweise dem Arzt absprechen.

Abnahme des Geschmacks- und Geruchsvermögens: Die Minderung ist zwar typisch im Alter, jedoch häufig auch Nebenwirkung von Medikamenten. Weniger Genuss bedeutet aber auch weniger Lebensqualität.

Tipp:

Achten Sie auf eine schmackhafte Zubereitung der Speisen. Scharfes Anbraten fördert etwa den Eigengeschmack der Speisen. Verwenden Sie Kräuter und Gewürze statt mehr Salz. Bei Schluckbeschwerden kann man ein Kräutersäckchen, in dem die Kräuter mitgekocht werden, verwenden.

Bestmögliche Ernährung im Alter - damit befasst sich das Institut Diätologie der FH JOANNEUM (Quelle: Voronin76/Shutterstock.com)

Schluckstörungen & Kaubeschwerden: Erkrankungen, Zahnverlust oder auch Mundtrockenheit verursachen diese Beschwerden. Kau- und Schluckstörungen können zu einseitiger Ernährung führen, da Speisen gemieden werden, die unangenehm zu essen sind.

Tipp:

Achten Sie auf abwechslungsreiche Speisen mit gut verträglicher Konsistenz: zum Beispiel Gemüse besonders weichgekocht oder Apfel als Mus.

Abnahme der Muskelmasse, Mobilitätseinschränkungen: Eine verminderte Muskelmasse kann auch die Folge einer längeren Erkrankung oder Immobilität – zum Beispiel durch Bettruhe – sein. Auch Mangelernährung muss hier bedacht werden. Folgen können unspezifische Symptome wie Schwäche oder Müdigkeit sowie Störungen wichtiger Organfunktionen sein. Zusätzlich steigt die Anfälligkeit für Krankheiten, es verschlechtert sich die Wundheilung und das Sturzrisiko steigt.

Tipp:

Achten Sie besonders auf eine ungewollte Gewichtsabnahme. Rutscht die Kleidung zunehmend oder zeigt die Waage immer weniger Gewicht an ist das ein ernstzunehmendes Warnsignal. Unbedingt ärztlichen Rat einholen.

Appetitlosigkeit durch Erkrankungen oder als Nebenwirkung von Medikamenten: In Kombination mit geringerer Geschmacks- und Geruchsempfindung wird dadurch weniger gegessen.

Tipp:

Bewegung wie Spazierengehen an der frischen Luft vor den Mahlzeiten, appetitliches Anrichten von Lieblingsspeisen und appetitanregende Tees wie Wermut, Salbei oder Schafgarbe können helfen, den Appetit zu fördern.

Verdauungsstörungen: Neben der bereits erwähnten Verstopfung kommt es im Alter aber auch vermehrt zu Lebensmittelunverträglichkeiten wie der Milchzuckerunverträglichkeit.

Tipp:

Vorbeugung von Verstopfung durch regelmäßiges Trinken. Fein vermahlenes Vollkornbrot, Vollkorntoast und Obst- und Gemüsesäfte eignen sich dazu, die Ballaststoffzufuhr zu erhöhen. Spazierengehen regt den Darm an. Bei Milchzuckerunverträglichkeit gibt es viele laktosefreie Produkte.

Generell gilt: Keine radikalen Umstellungen. Genuss fördern. Essen was schmeckt, präferiert und vertragen wird. Prinzipiell gibt es keine Lebensmittel, die im Alter verboten sind. Auf individuelle Unverträglichkeiten sollte geachtet werden. Bewegung an der frischen Luft unterstützt die Verdauung. Auf Warnsignale wie ungewollte Gewichtsabnahme sollte geachtet werden.

Weiterbildungsangebot zum Thema Ernährung im Alter

Die FH JOANNEUM bietet derzeit eine dreitägige Schulung für MitarbeiterInnen von Pflegeheimen an. Das Ziel ist, die Ernährungsversorgung älterer Mitmenschen in Pflegeheimen zu verbessern. Ein interdisziplinäres Team aus den Bereichen Diätologie, Ergotherapie und Logopädie sorgt für ein fundiertes und abwechslungsreiches Fortbildungsprogramm. Genaue Informationen finden Sie unter https://fh-joanneum.at/weiterbildung/interdisziplinaeres-ernaehrungsmanagement/. Für 2017 stehen noch freie Plätze zur Verfügung. Anmeldungen sind bis 31. Dezember 2016 unter http://fhj.to/damia möglich.